Eine meiner Teilnehmerinnen am Ess-Probleme-Workshop fragte mich, ob man zum Abnehmen Selbstdisziplin brauche. Ich meine, dass das nicht der Fall ist.
Richtig ist: Unser Körper ist auf Schlemmen und Völlerei eingestellt. Zu Urzeiten, als unsere Vorfahren noch durch Tundra und Steppe streiften, schlug man sich den Bauch voll, wenn man endlich etwas Essbares erlegt hatte.
Unser Körper will überleben und deshalb ist er ständig auf der Suche nach Essen. Das ist auch eigentlich gar kein Problem - zumindest war es das für unsere Vorfahren nicht. Wovon sollten die dick werden? Sie aßen Fleisch (ohne Knödel, Kartoffeln, Soßen), Wurzeln, Früchte und Nüsse. Da konnten sie so richtig zuschlagen, ohne Fett anzusetzen.
Der Grund war nicht nur die karge Nahrung: Im Gegensatz zu heute gab es noch keine Supermärkte und man musste oft stundenlang rennen, pirschen und mit dem Mammut ringen. Das verbrauchte so viel Energie, dass an Fettablagerungen im Körper gar nicht zu denken war.
Geblieben ist uns also unser Drang zum Schlemmen. Was sich verändert hat, sind die äußeren Gegebenheiten: Wir essen denaturierte Nahrung, konsumieren Lebensmittel, die uns durch ihren Gehalt an Aromen und Geschmacksverstärker zu Fressmaschinen machen und gehen gerade noch mal einige hundert Schritte am Tag zu Fuß. Diese Kombination muss zwangsläufig dazu führen, dass wir immer dicker werden.
Nun könnte man meinen, man muss nur genügend Selbstdisziplin aufbringen und dann klappt das mit dem Schlank werden. All die verzweifelten Menschen, die täglich "rückfällig" werden, beweisen, dass es nichts bringt.
Sicherlich gibt es einige Menschen, die sich so durchs Leben quälen: Sie träumen von Currywurst und Negerküssen, knabbern aber an Möhren. Vielleicht sind sie schlank, aber glücklich sind sie nicht.
Und sobald wir in eine Stresssituation geraten, ist es vorbei mit der Selbstdisziplin: Dann schlagen viele wieder hemmungslos zu.
Der Weg ist ein anderer: Wir brauchen keine Selbstdisziplin, sondern wir brauchen ein Bewusstsein. Wir sollten uns kritisch anschauen, was uns die Lebensmittelindustrie anbietet. Wenn wir erkennen, dass uns das meiste krank, dumm und dick macht, dann haben wir es geschafft. Wer sich so ernährt und bewegt, wie es sein Körper und sein Leben erfordern, der darf auch schlemmen- auch mal hemmungslos.
Unser Körper - wenn wir richtig mit ihm kommunizieren- gibt uns sehr schnell Feedback, was für uns gut ist oder nicht. Er sagt uns, wann wir aufhören sollen und er sagt uns, wann wir mehr Bewegung brauchen.
Wir haben den besten Ernährungs - und Lifestyle-Berater, den man sich wünschen kann: unseren Körper. Wir müssen einfach nur auf ihn hören, ihn schützen vor negativen Einflüssen, achtsam sein: Dann sagt er uns ganz genau, wovon wir wie viel essen sollen - ganz ohne Krampf, Kampf und Selbstdisziplin